Im SUSTIL-Projekt wurden in transdisziplinärer Zusammenarbeit mit verschiedenen Praxisakteur*innen Szenarien für die Landnutzung im Landkreis Lüneburg im Jahr 2040 entworfen. Diese orientieren sich zum Teil an den UN-Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals).

Im Folgenden finden Sie die vorläufigen Szenarien inkl. Kurzbeschreibung, die Rahmenbedingungen des Szenarios und die Ausprägungen der internen Faktoren (sogenanntes Systemszenario).

Szenario 1a: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung

Szenario 1b: Kommunale Konkurrenz bremst nachhaltige Entwicklung

 

Szenario 2a: Stadt und Land im Gleichgewicht

Szenario 2b: Stadt im Zentrum

Szenario 1a: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen und gerechten Entwicklung (Arbeitstitel)

Grüne Innovationen fördern die Klimaresilienz, den Naturschutz in der Landwirtschaft und gleichwertige Lebensverhältnisse

Kurzbeschreibung 1a

  • Gleichwertige Lebensverhältnisse durch dezentrale Entwicklung
  • Innenverdichtung in Grundzentren
  • Gute Erreichbarkeit durch umweltverträgliche Mobilität
  • Vergrößerung zentraler Schutzgebiete im Süden und Osten
    • Mehr Raum für Oberflächengewässer: Vergößerung von Retentionsflächen an Flüssen
    • Naturtourimus im gesamten Landkreis mit Schwerpunkt auf Biosphärenreservat und Heidelandschaft
  • Integration von Natur- und Artenschutz und Landwirtschaft („Land Sharing“):
    • Alternative Anbauformen, wie Agroforst oder Permakultur
  • Landwirtschaft als „Kreislauf“, z.B. Speicherung und Nutzung von Regenwasser
Abbildung 1: Schematische Darstellung von Szenario 1a

Anhang: Erläuterungen zu den schematischen Graphiken

  • Hintergrundfarbe: richtet sich nach der Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft (je grüner, desto umweltverträglicher)
  • Rote Kreise: Bedeutung als Versorgungs- und Wohnstandorte; je größer, desto größer die Bedeutung; Dicke der Linien richtet sich nach der Dichte –> je dichter, desto dicker die Linie
  • Grüne Ovale: bedeutende Naturschutzgebiete; Größe richtet sich nach der Größe der Gebiete; Dicke der Linien richtet sich nach der Qualität der Gebiete
  • Blaue Linie: Elbe; je dicker, desto mehr Retentionsraum
  • Grüne Linien: Biotopverbundsystem
  • Graue Linien: symbolisieren die Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmittel
    • Durchgezogene Linie: Schwerpunkt: Motorisierter Individualverkehr
    • Gestrichelte Linie: Multi-Modal

Rahmenszenario 1a: Entwicklung externer Faktoren

 Klima

Im Vergleich zu heutigen Emissionsmengen können bis zum Jahr 2040 Treibhausgase reduziert werden, ein Anstieg der jährlichen Mitteltemperatur von 1,5-2,0°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter wird in Lüneburg jedoch erreicht. Die klimatische Veränderung manifestiert sich vor allem in der Zunahme an Wetterextremen, z.B. Starkregen, Hitzewellen und Stürme (EF 12/2). Mit der Klimaveränderung verbunden steigt die Häufigkeit und die Schwere der Hochwasserereignisse. Die Gefahr vor Deichbrüchen wächst (EF 13/2 à Ausprägung wurde nach Diskussion im Workshop verändert).

Landwirtschaft

Die Weltmarktpreise, aber auch die lokalen Preise für Agrarprodukte und Holz steigen konstant weiter (EF 8/1). Die ordnungs- und förderpolitischen Rahmensetzungen für die Land- und Forstwirtschaft auf den unterschiedlichen politischen Ebenen werden bzgl. ihrer Auswirkungen auf Natur- und Umweltschutz verschärft (EF1/3). Auch der Einsatz von digitalen Technologien und sonstigen Innovationen im Landmanagement etabliert sich immer stärker und hat eine positive Auswirkung auf den Natur- und Artenschutz (EF 11/3). Der flächendeckende Anschluss an eine Breitbandverbindung im gesamten Landkreis unterstützt diese Entwicklung (EF 10/2).              

Bevölkerung und Immobilien

Das Bevölkerungswachstum im Landkreis und in der Hansestadt setzt sich fort. Es gibt eine Zunahme von 3%, wobei der Schwerpunkt auf der Hansestadt und den Umfeldgemeinden liegt. Bis auf Dahlenburg und Amt Neuhaus gibt es aber auch in den sonstigen Gemeinden eine Bevölkerungszunahme. Die Alterungsprozesse setzen sich fort, wobei der Anteil der Ü65-Jährigen im Osten und im Süden besonders hoch ist. Nur in der Hansestadt und ihrem Umfeld wächst die Gruppe der unter 18-Jährigen (EF 9/1). Trotz der Bevölkerungszunahme entschleunigt sich die starke Preisentwicklung von Immobilien in der Hansestadt, wohingegen die Preise im ländlichen Raum stärker ansteigen (EF 7/2). Der Großteil des Wohneigentums gehört weiterhin Privateigentümer*innen, wobei der Anteil von mieternahen Unternehmen und der öffentlichen Hand zu Lasten von Immobilienunternehmen und Finanzinvestoren zunimmt (EF 6/3).

Systemszenario 1a: Szenario für die Landnutzung im Landkreis Lüneburg

Im gesamten Landkreis gibt es eine konstante wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Lebensstandard, insbesondere in der Hansestadt und in den Umfeldgemeinden. Durch die Stärkung eines Naturtourismus im Biosphärenreservat findet auch in den Gemeinden in Elbnähe eine positive Wirtschaftsentwicklung statt (EF 15/ 3).

Dies wird unterstützt durch die Ausgestaltung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), das eine dezentrale Ausweisung von Baugebieten zur Stärkung der Grundzentren vorsieht. Dadurch werden die ländlichen Gemeinden als attraktive Wohnstandorte gestärkt und die Nahversorgung gesichert. Es legt außerdem den Bau der A39 fest, welcher jedoch bis 2040 nicht realisiert wird. Die Vorranggebiete für Windenergie sowie für Natur und Erholung liegen vorwiegend im Süden und Osten des Landkreises. Es gibt einige Gebiete, die dem Rohstoffabbau vorbehalten sind. Für den Sandabbau liegen sie im Landkreis verteilt mit Schwerpunkten in Neetze, Bleckede und Soderstorf sowie für den Kiesabbau in Barendorf (EF 4/1).

Die Kommunale Bauleitplanung der Landkreisgemeinden richtet sich nach dem RROP. Als Leitsatz gilt eine stärkere Innenverdichtung, um eine Zersiedelung zu vermeiden. Insgesamt gibt es eine geringe Neuausweisung von Baugebieten. Neue Gebäude entstehen auf Konversionsflächen oder Wohnfläche wird durch Nachverdichtung des Bestandes geschaffen. Die Wohnfläche pro Person reduziert sich. Einfamilienhäuser und große Gewerbeflächen im Randbereich entstehen nur vereinzelt und unter hohen Umweltauflagen, z.B. einem geringen Versiegelungsgrad sowie energetische und ressourcenschonende Vorgaben (EF 3/3).

Auch wenn nur wenig neue Baugebiete ausgewiesen werden, nimmt die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum insgesamt zu. Dies liegt nicht nur an dem Neubau von gefördertem Wohnraum im Innenbereich, sondern daran, dass die Einkommensgrenzen für den Anspruch auf geförderten Wohnraum steigen. Außerdem greift der Staat durch weitere regulierende Maßnahmen in die Mietpreisentwicklung ein (EF 17/ 3). Die Hansestadt stellt zwar den zentralen Versorgungsbereich im Landkreis dar und bietet den Großteil der Arbeitsplätze, durch die flächendeckende Breitbandversorgung und die vermehrte Arbeit im Home-Office ist der ländliche Raum als Wohnstandort für Berufstätige jedoch beliebter. Dies führt zu einer Wiederbelebung alter Höfe und der Versorgungsstrukturen auf dem Land. Andersherum begünstigen die bestehenden Versorgungsstrukturen einen Zuzug.

Größere Straßenbauprojekte werden nur in einem geringen Ausmaß realisiert und die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs nimmt ab. Lediglich sehr ländliche Einzelhaushalte sind noch auf den Pkw angewiesen. Durch ein flächendeckendes Ladenetz im Landkreis sowie politische Regulierungen, wie einer hohen CO2-Bepreisung und finanzieller Anreize zur Anschaffung von Autos mit alternativen Antrieben, sind Verbrenner fast vollständig durch E-Autos verdrängt worden. Diese Entwicklung wird unterstützt durch ein attraktives Angebot anderer Mobilitätsformen. So wird die Fahrradinfrastruktur in den Orts- und Stadtkernen verbessert und in der Hansestadt wird ein Vorrangnetz für den Radverkehr realisiert. Das Fahrrad etabliert sich als Verkehrsmittel für kurze Wege und wird auch auf der Langstrecke beliebter.  Fahrradfernwege in alle Himmelsrichtungen verbinden die Hansestadt jeweils mit den Gemeinden Amelinghausen, Gellersen, Bardowick sowie Bleckede.  Der Pendelverkehr zwischen den Wohnstandorten Amelinghausen, Gellersen, Bardowick und Bleckede und dem Oberzentrum Lüneburg findet somit vor allem mit dem Fahrrad oder E-Bike statt. Zusätzlich sind Amelinghausen und Bleckede an einen regelmäßigen Schienenpersonenverkehr (SPV) angeschlossen. Auch der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird ausgebaut und höher frequentiert, so dass auch kleinere Siedlungsgebiete an einen regelmäßigen ÖPNV angeschlossen sind. An zentralen Verkehrsschnittstellen werden multimodale Mobilitätsstationen errichtet. An diesen Punkten besteht ein Angebot unterschiedlicher Verkehrsträger (z.B. ÖPNV, SPV, Car und Bike Sharing sowie E-Ladestationen), die aufeinander abgestimmt sind. Von der guten Erreichbarkeit profitiert auch der touristische Verkehr. Die historische Altstadt der Hansestadt sowie die Naturziele der Heidelandschaft bei Amelinghausen und der Elbtalaue stellen beliebte Ziele für einen sanften Tourismus dar, der insbesondere Radwandernde anzieht (EF 16 /3).

Mit einer Zunahme der Nutzung von strombetriebenen Verkehrsträgern steigt die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Diese wird durch dezentral organisierte Anlagen zur Gewinnung von Strom wie z.B. Dach-PV gedeckt. Zudem werden verstärkt Freiflächen-Photovoltaikanlagen installiert sowie der Ausbau von Windenergie und ein umfangreiches Repowering wird vorgenommen. Biogasanlagen werden teilweise abgebaut und für die Bestehenden werden vermehrt Ausgangsstoffe genutzt, die in der Gewinnung einen geringeren Flächenbedarf haben (EF 5/2). Die Anlagen zur Energieerzeugung dominieren die Landschaft kaum und fügen sich in das Landschaftsbild ein.

Der Neubau von Siedlungsgebieten, von Verkehrsinfrastruktur sowie von Anlagen für Erneuerbare Energien nimmt zwar neue Fläche in Anspruch, allerdings kann das nationale 30-ha Ziel, das für die Fläche des Landkreises eine Flächenneuinanspruchnahme von 40,5 ha/Jahr bedeutet, bis 2040 erreicht werden (EF 18/2).

Durch die Eingriffsregelung im BNatSchG entstehen für die neuen Baugebiete Ausgleichsflächen, schwerpunktmäßig angrenzend an die großen geschützten Gebiete nahe der Elbe und Amelinghausen, die den naturtouristischen Schwerpunkt im Landkreis darstellen. Diese großflächigen Gebiete sind über kleinteilige Trittsteinbiotope, die in der landwirtschaftlichen Fläche integriert sind, miteinander verbunden. In der Elbtalaue sowie an der Ilmenau werden weitere natürliche Retentionsräume geschaffen, die auch teilweise landwirtschaftlich genutzt werden. Ergänzende Maßnahmen zum Hochwasserschutz werden umgesetzt, z.B. Deicherhöhungen. Teilweise werden besonders von Hochwasser gefährdete Siedlungsbereiche rückgebaut und den Oberflächengewässern wird mehr Raum gegeben. Insgesamt ist im Landkreis 30 % der Fläche geschützt. Außerdem nimmt die Qualität der Schutzgebiete durch ein nachhaltiges Management dieser aber vor allem durch Umstellungen der Landwirtschaft zu. Nicht nur mit der Zunahme geschützter Flächen und ihrer Qualität, sondern vor allem mit umweltverträglichen Praktiken in der Landwirtschaft ist eine Zunahme der lokalen Artenvielfalt verbunden (EF2/3).

Die Landwirtschaft wird insgesamt umweltverträglicher. So werden neben rein synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln vermehrt alternative Methoden eingesetzt. Der Einsatz von Düngemitteln ist genau an den Nährstoffbedarf der Pflanzen angepasst und der Einsatz von synthetischen Düngern wird reduziert. Der reduzierte Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel und Düngern wird unterstützt durch den Einsatz neuer Technologien wie Drohnen und Roboter, die z.B. eine mechanische Unkrautentfernung, eine optimierte Düngung und das Aufspüren von gefährdeten Tieren in der Fläche möglich machen. Durch die Integration von Landwirtschaft und Natur- und Artenschutz wird das Landschaftsbild diversifiziert: es gibt Blührandstreifen, kleinere Feldblöcke mit einer höheren Anbauvielfalt und Einbuschung von Äckern. Zudem steigt der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche. Alternative Anbaumethoden wie Agroforstwirtschaft und Permakultur werden getestet. Wegen einer zunehmenden Trockenheit in den Sommermonaten werden Praktiken zur Wasserspeicherung und Bewässerung der Felder bedeutender. Technische Lösungen, wie große Rückhaltebecken werden gebaut, aber auch Anbauformen, die den Wasserkreislauf stärker mitdenken, etablieren sich („Schwammprinzip“) (EF 19/3).

Durch die umweltverträglichen landwirtschaftlichen Praxen und die positive Entwicklung der Schutzgebiete nimmt die Bodenfruchtbarkeit teilweise zu. Es gibt einen punktuellen Humusaufbau und durch den geringeren Einsatz von schweren Landmaschinen eine geringere Bodenverdichtung (EF 14 /3).

Szenario 1b: Kommunale Konkurrenz bremst nachhaltige Entwicklung

Weiterhin liegt der wirtschaftliche Fokus auf der Hansestadt und die Zersiedelung und Intensivierung der Landwirtschaft nehmen zu

Kurzbeschreibung 1b

  • Starkes Wirtschaftswachstum in der Hansestadt unterstützt strukturelle Disparität zwischen Hansestadt und LK-Gemeinden
    • Sozioökonomische und soziodemographische Unterschiede
    • Funktionelle Unterschiede (u.a. Versorgung und Infrastruktur)
  • Konkurrenz zwischen den Gemeinden
  • Zersiedelung in der Hansestadt und den Umfeldgemeinden
  • Motorisierter Individualverkehr weiterhin beliebtestes Verkehrsmittel
  • Intensivierung der Landwirtschaft (Energiepflanzen und Forst) und Abnahme des Selbstversorgungsgrad
  • Abnahme von Landschaftsqualität und Artenvielfalt
Abbildung 2: Schematische Darstellung von Szenario 1b

Anhang: Erläuterungen zu den schematischen Graphiken

  • Hintergrundfarbe: richtet sich nach der Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft (je grüner, desto umweltverträglicher)
  • Rote Kreise: Bedeutung als Versorgungs- und Wohnstandorte; je größer, desto größer die Bedeutung; Dicke der Linien richtet sich nach der Dichte –> je dichter, desto dicker die Linie
  • Grüne Ovale: bedeutende Naturschutzgebiete; Größe richtet sich nach der Größe der Gebiete; Dicke der Linien richtet sich nach der Qualität der Gebiete
  • Blaue Linie: Elbe; je dicker, desto mehr Retentionsraum
  • Grüne Linien: Biotopverbundsystem
  • Graue Linien: symbolisieren die Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmittel
    • Durchgezogene Linie: Schwerpunkt: Motorisierter Individualverkehr
    • Gestrichelte Linie: Multi-Modal

Rahmenszenario 1b: Entwicklung externer Faktoren

Klima

Internationale Bemühungen, die Treibhausgase zu reduzieren, scheitern. In Norddeutschland steigt die jährliche Mitteltemperatur um ca. 2,2°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Die Klimaveränderung äußert sich vor allem in einer stark steigenden Anzahl der Tage mit hohen Temperaturen und einer stärkeren saisonalen Verlagerung der Niederschläge. Starkregenniederschläge können häufiger auftreten und Sturmereignisse ebenfalls (EF 12/3). Mit der Klimaveränderung verbunden steigt die Häufigkeit und die Schwere der Hochwasserereignisse. Die Gefahr vor Deichbrüchen wächst (EF 13/2).

Landwirtschaft

Die Weltmarktpreise, aber auch die lokalen Preise für Agrarprodukten und Holz stagnieren, wobei es starke Schwankungen gibt (EF 8/3). Die ordnungs- und förderpolitischen Rahmensetzungen für die Land- und Forstwirtschaft auf den unterschiedlichen politischen Ebenen wurden bzgl. ihrer Auswirkungen auf Natur- und Umweltschutz abgeschwächt (EF1/2). 

Der Einsatz von digitalen Technologien und sonstigen Innovationen im Landmanagement etabliert sich immer stärker. Dabei sind die Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz weder eindeutig positiv noch negativ, sondern ambivalent (EF 11/1). Der flächendeckende Anschluss an eine Breitbandverbindung im gesamten Landkreis unterstützt diese Entwicklung (EF 10/2).

 

Bevölkerung und Immobilien

Das Bevölkerungswachstum im Landkreis und in der Hansestadt nimmt zu. Es gibt eine Zunahme von 8%, wobei der Schwerpunkt auf der Hansestadt und den Umfeldgemeinden liegt. Als einzige Landkreisgemeinde gibt es in Amt Neuhaus einen leichten Bevölkerungsrückgang. Die Alterungsprozesse setzen sich fort, wobei der Anteil der Ü65-Jährigen im Osten und im Süden besonders hoch ist. Nur in der Hansestadt und ihrem Umfeld wächst die Gruppe der unter 18-Jährigen (EF 9/3). Diese Entwicklung unterstützt die starke Preissteigerung der Immobilien mit Schwerpunkt in der Hansestadt und ihrem Umfeld. Im sonstigen Landkreis steigen die Immobilienpreise moderat (EF 7/1). Damit verbunden ist eine Veränderung in den Eigentumsverhältnissen. So steigt der Anteil der Immobilienunternehmen und Finanzinvestoren zu Lasten der Privateigentümer*innen, mieternahen Unternehmen und der öffentlichen Hand (EF 6/2). 

Systemszenario 1b: Szenario für die Landnutzung im Landkreis Lüneburg

Die lokale wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis liegt insgesamt über dem Landesdurchschnitt, wobei das wirtschaftliche Zentrum die Hansestadt mit ihren angrenzenden Gemeinden darstellt. In den Randgemeinden entwickelt sich die Wirtschaft weniger stark, insbesondere in den östlichen Teilen gibt es eine Stagnation. Dementsprechend wird die Zentralität des Oberzentrums Lüneburg verstärkt (EF 15/1).

Das Regionale Raumordnungsprogramm richtet sich nach dieser Entwicklung bzw. verstärkt diese durch seine Festsetzungen. So richtet sich die Vorgabe für neue Baugebiete für Wohnen und Gewerbe nach der Nachfrage und liegt in der Hansestadt und dem Umfeld, das vor allem eine wichtige Bedeutung als Wohnstandort einnimmt. Die stagnierende Wirtschaftsentwicklung in den Ostgemeinden wird durch die Beschränkungen des Biosphärenreservats befördert. So befinden sich die Vorranggebiete für Natur und Erholung schwerpunktmäßig im Osten, aber auch im Süden des Landkreises.  Eher kleinflächige Vorranggebiete für Sandabbau liegen schwerpunktmäßig in Neetze, Bleckede und Soderstorf und Kiesabbau in Barendorf. Zusätzliche Vorranggebiete für Windenergie entstehen und die A39 wird gebaut. Diese verbindet die Hansestadt mit Uelzen und Wolfsburg (EF 4/2).

Die starke Neuausweisung von Baugebieten richtet sich nach einer hohen Nachfrage, die durch den starken Bevölkerungszuzug bedingt ist. Vor allem Einfamilienhäuser am Siedlungsrand, aber auch neue Gewerbeflächen, die infrastrukturell gut erschlossen sind, z.B. nahe der neu gebauten A39, sind stark nachgefragt Es gibt nur eine geringe Innenverdichtung in den Ortszentren und eine zunehmende Zersiedelung der Landschaft. Dementsprechend ist der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV)  trotz des Ausbaus alternativer Verkehrsinfrastrukturen hoch. Durch den Bedeutungsgewinn der Hansestadt als wirtschaftliches Zentrum steigen die Immobilienpreise weiter, was das Entstehen neuer Wohnstandorte für Menschen mit geringerem Einkommen in weniger zentralen Gemeinden zur Folge hat (EF 3/2). Durch die steigenden Immobilienpreise und die schwerpunktmäßige Neuausweisung von Einfamilienhäusern entsteht kein neuer geförderter Wohnraum und die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum nimmt insgesamt ab. Dies führt zu einer zunehmenden räumlichen Segregation und sozioökonomisch schlechter gestellte Bevölkerungsgruppen werden in weniger attraktive Wohnviertel verdrängt (EF 17/1).

Die Erreichbarkeit verbessert sich flächendeckend im gesamten Landkreis, wobei der Schwerpunkt auf dem motorisierten Individualverkehr liegt. Große Infrastrukturprojekte wie die A39 und die Brücke bei Neu Darchau sowie weitere lokale Straßenbauprojekte werden realisiert. Auch der öffentliche Personennahverkehr sowie der Schienenpersonenverkehr werden verbessert. Verbesserungen der Radinfrastruktur werden ebenso realisiert. Dies betrifft den Bau von Pendlerrouten zwischen der Hansestadt Amelinghausen, Bardowick, Gellersen und Bleckede und die Erstellung eines Vorrangnetzes in der Hansestadt. Der Schwerpunkt liegt also auf der Hansestadt, wobei es ebenfalls Verbesserungen der Radwegeinfrastruktur in den sonstigen Ortszentren gibt. Durch einen starken Ausbau der Ladeinfrastruktur wird die Elektromobilität gefördert (EF 16/1). Trotz der multimodalen Mobilitätsformen bleibt der Pkw auf Grund des hohen Lebensstandards und der starken Zersiedelung das beliebteste Verkehrsmittel. Probleme wie der hohe Flächenbedarf für ruhenden Verkehr bei hoher Flächenkonkurrenz sowie ein gestiegener Energiebedarf verstärken sich.

Der erhöhte Strombedarf wird gedeckt durch dezentral organisierte Anlagen zur Gewinnung von erneuerbaren Energien, z.B. Dach-PV.  Darüber hinaus werden Freiflächen-PV-Anlagen gebaut sowie der Ausbau von Windenergie, u.a. im Wald, vorangebracht und ein umfangreiches Repowering bestehender Anlagen vorgenommen. Biogasanlagen werden teilweise abgebaut und es werden vermehrt Ausgangsstoffe genutzt, die einen geringen Flächenbedarf haben (EF 5/2).

Sowohl die Realisierung großer Infrastrukturprojekte, aber auch die starke Neuausweisung von Baugebieten mit geringer Dichte nehmen so viel Fläche in Anspruch, dass das 30-ha-Ziel der Bundesregierung auf Landkreisebene nicht erreicht werden kann. Im Landkreis werden ca. 66 ha pro Jahr neu versiegelt und in der Hansestadt ca. 5,6 ha (EF 18/1).

Die starke Neuausweisung verstärkt die Flächenkonkurrenz, was die Zunahme von Flächen mit Schutzstatus verhindert. Ausgleichsflächen für neubebaute Flächen entstehen schwerpunktmäßig in der strukturschwachen Gegend rund um die Elbtalaue.  Die Stagnation von geschützten Gebieten trägt zu einer Abnahme der ökologischen Qualität innerhalb der existierenden Gebiete bei und begünstigt die weitere Abnahme der lokalen Artenvielfalt (EF 2/2).

Diese wird vor allem durch die landwirtschaftliche Praxis hervorgerufen, die nicht umweltverträglicher wird. Der Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmittel stagniert und es gibt keine Maßnahmen für einen angepassten Einsatz von Düngemittel. Durch die Flächeninanspruchnahme nimmt die landwirtschaftliche Fläche insgesamt ab, was wiederum den Druck einer Produktivitätssteigerung erhöht und damit zu einer Intensivierung der Landwirtschaft führt. Durch die hohe Profitabilität werden landwirtschaftliche Flächen vermehrt für Freiflächen-PV-Anlagen genutzt. Auch Forstwirtschaft und der Anbau von Energiepflanzen wird im Vergleich profitabler, was wiederum zu einer Zunahme an bewirtschafteten Plantagen und Monokulturen führt (EF 19/2). In der Bodenqualität spiegeln sich die nicht nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken wider. So nimmt die Bodenfruchtbarkeit und der Kohlenstoffgehalt insgesamt ab. Bodenerosion und Bodenverdichtung tragen ebenfalls zu einer Negativentwicklung bei (EF 14/1).

Szenario 2a: Stadt und Land im Gleichgewicht

Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum, ertragreicher Landwirtschaft und Ökologie durch starke Steuerung

Kurzbeschreibung 2a

  • Dezentrale Entwicklung durch gesteuerte Neuausweisung von neuen Wohn- und Gewerbegebieten und eine verbesserte Erreichbarkeit
  • Hansestadt als wirtschaftliches Zentrum und Landkreisgemeinden sind beliebte Wohnorte mit einer guten Nahversorgung
  • Starke wirtschaftliche Entwicklung wird von strikten umweltplanerischen Vorgaben begleitet (Ausgleichsflächen, Baustandards etc.)
  • Attraktives und vielfältiges Mobilitätsangebot
  • Zonierung von Natur- und Artenschutz und Landwirtschaft („Land Sparing“)
    • Größe der zentralen Schutzflächen (Biosphärenreservat und südlicher Landkreis) bleibt unverändert
    • Schaffung eines starken Biotopverbundsystems
  • Landwirtschaft wird umweltverträglicher aber Natur- und Artenschutz ist weniger integriert
Bildnachweis: SUSTIL

Anhang: Erläuterungen zu den schematischen Graphiken

  • Hintergrundfarbe: richtet sich nach der Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft (je grüner, desto umweltverträglicher)
  • Rote Kreise: Bedeutung als Versorgungs- und Wohnstandorte; je größer, desto größer die Bedeutung; Dicke der Linien richtet sich nach der Dichte –> je dichter, desto dicker die Linie
  • Grüne Ovale: bedeutende Naturschutzgebiete; Größe richtet sich nach der Größe der Gebiete; Dicke der Linien richtet sich nach der Qualität der Gebiete
  • Blaue Linie: Elbe; je dicker, desto mehr Retentionsraum
  • Grüne Linien: Biotopverbundsystem
  • Graue Linien: symbolisieren die Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmittel
    • Durchgezogene Linie: Schwerpunkt: Motorisierter Individualverkehr
    • Gestrichelte Linie: Multi-Modal

Rahmenszenario 2a: Entwicklung externer Faktoren

Klima

Im Vergleich zu heutigen Emissionsmengen können bis zum Jahr 2040 Treibhausgase reduziert werden, ein Anstieg der jährlichen Mitteltemperatur von 1,5-2,0°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter wird in Lüneburg jedoch erreicht. Die klimatische Veränderung manifestiert sich vor allem in der Zunahme an Wetterextremen, z.B. Starkregen, Hitzewellen und Stürme (EF 12/2). In der Ilmenau und der Elbe nimmt die Häufigkeit von Hochwasserereignissen ab. Hochwasser ist weniger extrem, dafür kommt es häufiger zu Niedrigwasser (EF 13/3).

 

Landwirtschaft

Die Weltmarktpreise, aber auch die lokalen Preise für Agrarprodukten und Holz steigen konstant weiter (EF 8/1). Die ordnungs- und förderpolitischen Rahmensetzungen für die Land- und Forstwirtschaft auf den unterschiedlichen politischen Ebenen werden bzgl. ihrer Auswirkungen auf Natur- und Umweltschutz verschärft (EF1/3). Auch der Einsatz von digitalen Technologien und sonstigen Innovationen im Landmanagement etabliert sich immer stärker und hat eine positive Auswirkung auf den Natur- und Artenschutz (EF 11/3). Der flächendeckende Anschluss an eine Breitbandverbindung im gesamten Landkreis unterstützt diese Entwicklung (EF 10/2).

 

Bevölkerung und Immobilien

Das Bevölkerungswachstum im Landkreis und in der Hansestadt setzt sich fort. Es gibt eine Zunahme von 3%, wobei der Schwerpunkt auf der Hansestadt und den Umfeldgemeinden liegt. Bis auf Dahlenburg und Amt Neuhaus gibt es aber auch in den sonstigen Gemeinden eine Bevölkerungszunahme. Die Alterungsprozesse setzen sich fort, wobei der Anteil der Anteil der Ü65-Jährigen im Osten und im Süden besonders hoch ist. Nur in der Hansestadt und ihrem Umfeld wächst die Gruppe der unter 18-Jährigen (EF 9/1). Die Immobilienpreise steigen weiterhin, in der Hansestadt und in den Umfeldgemeinden besonders stark und im sonstigen Landkreis moderat (EF 7/1). Der Anteil von Wohneigentum in Händen von Privateigentümer*innen und mieternahen Unternehmen sowie der öffentlichen Hand nimmt wegen der hohen Immobilienpreise ab, Eigentum von Finanzinvestoren und Immobilienunternehmen hingegen nimmt prozentual zu (EF 6/2).

 

Systemszenario 2a: Szenario für die Landnutzung im Landkreis Lüneburg

Die lokale wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis liegt insgesamt über dem Landesdurchschnitt, wobei das wirtschaftliche Zentrum die Hansestadt mit ihren angrenzenden Gemeinden darstellt. In den Randgemeinden entwickelt sich die Wirtschaft weniger stark, insbesondere in den östlichen Teilen stagniert sie (EF 15/1). Das neu beschlossene Regionale Raumordnungsprogramm lenkt durch eine dezentrale Neuausweisung von Baugebieten entgegen einer weiteren Zentralisierung auf die Hansestadt. Die anderen Grundzentren im Landkreis wie Bleckede und Amelinghausen gewinnen dadurch an Bedeutung. Die Verlängerung der A39 trägt zu dieser dezentralen Entwicklung bei, indem die Standorte durch die infrastrukturelle Anbindung attraktiver werden. In den östlichen Gemeinden des Landkreises beidseitig der Elbe liegen weiterhin die großflächigen Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Erholung. Vorranggebiete für den Rohstoffabbau liegen unterschiedlich verteilt. Sandvorkommen, deren Abbau Vorrang hat, befinden sich beispielsweise in Neetze und Bleckede sowie Soderstorf und Vorranggebiete für den Kiesabbau z.B. in Barendorf (EF 4/1).

Insgesamt gibt es eine moderate Neuausweisung von Neubaugebieten, sowohl für Wohnraum als auch für Gewerbe. In der Hansestadt und in den angrenzenden Gemeinden, in denen die Nachfrage nach Wohnraum besonders hoch ist, wird vor allem mit Geschosswohnungsbau nachverdichtet. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Flächenkonversion. Einfamilienhäuser entstehen am Lüneburger Stadtrand und in anderen Landkreisgemeinden, wobei die Bebauungspläne strenge Nachhaltigkeitsvorgaben und Vorgaben für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen machen. So gibt es z.B. Festsetzungen zur Fassaden- und Dachbegrünung, zur Grundstücksversickerung, zum geringen Versiegelungsgrad oder zur Pflanzung von heimischen Arten. Für die neuen Flächen werden neben bestehenden Brachflächen landwirtschaftliche genutzte Flächen in Anspruch genommen. Dies verdrängt die stadtnahe Landwirtschaft und trägt zu einer Verstärkung der funktionellen Unterschiede zwischen Stadt und Land bei (EF 3/1).

Es gibt zwar eine Zunahme von gefördertem Wohnraum in der Hansestadt, aber durch den starken Anstieg der Immobilienpreise, der den Anstieg des durchschnittlichen Haushaltseinkommens übersteigt, stagniert die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum insgesamt (EF 17/2).

Durch die Infrastrukturentwicklung aller Verkehrsträger nimmt die Erreichbarkeit im gesamten Landkreis zu. Die Frequentierung des öffentlichen Nahverkehrs in den bisher unzureichend angeschlossenen Gemeinden wird erhöht und es entstehen neue Haltestellen. Auch der Schienenpersonenverkehr wird ausgebaut und die Bahnstrecken nach Bleckede sowie Amelinghausen werden reaktiviert bzw. häufiger frequentiert. Zusätzlich entstehen Radfernverbindungen, die die Hansestadt ebenfalls mit Amelinghausen und Bleckede verbinden, aber vor allem auch nach Gellersen und Bardowick führen.  Durch den Bau eines Vorrangnetzes für den Radverkehr in der Hansestadt sowie der Verbesserung der Radwege in den Ortszentren ist das Fahrrad das meistgenutzte Verkehrsmittel für kurze Strecken. Das gut ausgebaute Ladenetz für die Elektromobilität wird auch zum Laden von E-Bikes genutzt, die sich als Verkehrsmittel auch für längere Pendelstrecken etabliert haben. Der motorisierte Individualverkehr ist nicht mehr der dominierende Verkehrsträger, sondern lediglich ein weiterer Baustein in der multimodalen Mobilität im Landkreis. Gerade die ländlichen Haushalte sind nach wie vor auf das Auto angewiesen, der Anteil von strombetriebenen Fahrzeugen überwiegt allerdings. Die Verlängerung der A 39 stellt die Verbindungsachse zwischen Hamburg, der Hansestadt Lüneburg und den südlicheren Landkreisen dar und wird vorrangig für den Wirtschaftsverkehr genutzt. Die Brücke über die Elbe in Neu Darchau schließt Amt Neuhaus als einzige rechtselbige Gemeinde besser an den Landkreis an (EF 16/1).

Durch die starke Zunahme der Elektromobilität und den Umbau der Industrie steigt die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Diese wird schwerpunktmäßig durch eine dezentral organisierte Energieerzeugung, z.B. durch Dach-PV gedeckt. Da die Förderung von Biogasanlagen und des Anbaus von Energiepflanzen ausgelaufen ist, werden einige Biogasanlagen abgebaut. Die weiterbestehenden werden mit Ausgangsstoffen genutzt, die einen geringen Flächenbedarf aufweisen bzw. als Neben- oder Abfallprodukte anfallen. Auf Flächen, die vorher schwerpunktmäßig für den Anbau von Energiepflanzen genutzt wurden, wird der Ausbau von Freiflächen-PV Anlagen realisiert. Wenn es der Standort zulässt, entstehen Agri-PV-Anlagen, die landwirtschaftliche Erzeugung und Energiegewinnung miteinander verbinden. Die Energieerzeugung bestehender Windkraftanlagen wird durch ein Repowering erhöht und es werden vereinzelt Windräder im bewirtschafteten Forst, der nicht unter Schutz steht, gebaut (EF5/2).

Durch die Neuausweisung von Baugebieten und die Realisierung von Infrastrukturprojekten wird neue Fläche in Anspruch genommen. Es gelingt allerdings, diese im Verglich zur heutigen jährlichen Flächeninanspruchnahme auf 40,5 ha im gesamten Landkreis zu reduzieren und somit das 30 ha-Ziel der Niedersächsischen Nachhaltigkeitsstrategie zu erreichen (EF 18/2).

Trotz neuer Baugebiete werden, u.a. durch die Eingriffsregelung im BNatSchG, neue Ausgleichsflächen ausgewiesen. Diese entstehen vor allem als Verbindungsflächen zwischen bestehenden Schutzgebieten. Zentral für den Natur- und Artenschutz bleiben die großen Schutzgebiete der Elbtalaue und der Heide, die sich nicht vergrößern, aber durch einen staken Biotopverbund mit einander verbunden werden. Insgesamt ist im Landkreis 30 % der Fläche geschützt. Außerdem nimmt die Qualität der Schutzgebiete durch ein nachhaltiges Management zu. Die Qualität der Schutzgebiete wirkt sich positiv auf den sanften Naturtourismus aus, der insbesondere für die Gemeinden im Biosphärenreservat sowie für das heidenahe Amelinghausen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Nicht nur mit der geschützten Fläche und ihrer Qualität, sondern vor allem mit umweltverträglichen Praktiken in der Landwirtschaft ist die Zunahme der lokalen Artenvielfalt verbunden (EF2/3).

Die konventionelle Landwirtschaft wird naturverträglicher, z.B. durch den Einsatz alternativer Methoden zur Schädlingsbekämpfung und einen reduzierten Einsatz von Düngemitteln, der genau an den Nährstoffbedarf der Pflanzen angepasst ist. Außerdem werden die Feldblöcke verkleinert und Blühstreifen und Zwischenfruchtanbau erhöhen die Artenvielfalt. Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen nimmt zu und alternative landwirtschaftliche Betriebsformen wie die solidarische Landwirtschaft haben sich etabliert (EF 19/3).

Durch die umweltverträglichen Landwirtschaftlichen Praxen und die positive Entwicklung der Schutzgebiete nimmt die Bodenfruchtbarkeit teilweise zu. Es gibt einen punktuellen Humusausbau und durch den geringeren Einsatz von schweren Landmaschinen eine geringere Bodenverdichtung (EF 14 /3).

 

Szenario 2b: Stadt im Zentrum

Zentralisierung und Verdichtung der Hansestadt, während die Landschaftsqualität durch starken Ausbau erneuerbarer Energien abnimmt Stadt

Kurzbeschreibung 2b

  • Zentralisierung auf der Hansestadt als wirtschaftliches Zentrum und Wohnstandort
    • Starke Innenverdichtung und bezahlbarer Wohnraum in der Hansestadt
    • Diversifizierung der Arbeit in der Hansestadt hin zu mehr Dienstleistung
    • Pendelbewegungen nach Hamburg
    • Versorgungsstrukturen auf dem Land, insbesondere im Osten reduzieren sich
  • Stadtflucht der Reichen, um hohen Nutzungsdruck in der Stadt zu entgehen
  • Ausbau der Verkehrsinfrastruktur mit Fokus auf den SPV und elektrifizierten MIV
  • Starker Ausbau der Erneuerbaren Energien über den Eigenbedarf hinaus
  • Landschaftsqualität nimmt durch Anlagen für Erneuerbare Energien sowie geringe Positiventwicklung der Landwirtschaft ab

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Abbildung 4: Schematische Darstellung von Szenario 2b

Anhang: Erläuterungen zu den schematischen Graphiken

  • Hintergrundfarbe: richtet sich nach der Umweltverträglichkeit der Landwirtschaft (je grüner, desto umweltverträglicher)
  • Rote Kreise: Bedeutung als Versorgungs- und Wohnstandorte; je größer, desto größer die Bedeutung; Dicke der Linien richtet sich nach der Dichte –> je dichter, desto dicker die Linie
  • Grüne Ovale: bedeutende Naturschutzgebiete; Größe richtet sich nach der Größe der Gebiete; Dicke der Linien richtet sich nach der Qualität der Gebiete
  • Blaue Linie: Elbe; je dicker, desto mehr Retentionsraum
  • Grüne Linien: Biotopverbundsystem
  • Graue Linien: symbolisieren die Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmittel
    • Durchgezogene Linie: Schwerpunkt: Motorisierter Individualverkehr
    • Gestrichelte Linie: Multi-Modal

Rahmenszenario 2b: Entwicklung externer Faktoren

Klima

Im Vergleich zu heutigen Emissionsmengen können bis zum Jahr 2040 Treibhausgasen reduziert werden, ein Anstieg der jährlichen Mitteltemperatur von 1,5-2,0°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter wird in Lüneburg jedoch erreicht. Die klimatische Veränderung manifestiert sich vor allem in den Wetterextremen, z.B. Starkregen, Hitzewellen und Stürme (EF 12/2). In der Ilmenau und der Elbe bleibt die Häufigkeit von Hochwasserereignissen gleich und die Schwere der Ereignisse verändert sich kaum (EF 13/1).

 

Landwirtschaft

Die Weltmarktpreise, aber auch die lokalen Preise für Agrarprodukte stagnieren bzw. reduzieren sich sogar, wobei die Holzpreise weiterhin steigen (EF 8/2). Die ordnungs- und förderpolitischen Rahmensetzungen für die Land- und Forstwirtschaft auf den unterschiedlichen politischen Ebenen verändern sich, haben jedoch eine ambivalente Auswirkung auf den Natur- und Umweltschutz (EF1/1). Auch der Einsatz von digitalen Technologien und sonstigen Innovationen im Landmanagement etabliert sich immer stärker, dabei sind die Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz weder eindeutig positiv noch negativ, sondern ambivalent (EF 11/1). Der flächendeckende Anschluss an eine Breitbandverbindung im gesamten Landkreis unterstützt diese Entwicklung (EF 10/2).

 

Bevölkerung und Immobilien

Das Bevölkerungswachstum im Landkreis und in der Hansestadt setzt sich fort. Es gibt eine Zunahme von 3%, wobei der Schwerpunkt auf der Hansestadt und den Umfeldgemeinden liegt. Bis auf Dahlenburg und Amt Neuhaus gibt es aber auch in den sonstigen Gemeinden eine Bevölkerungszunahme. Die Alterungsprozesse setzen sich fort, wobei der Anteil der Anteil der Ü65-Jährigen im Osten und im Süden besonders hoch ist. Nur in der Hansestadt und ihrem Umfeld wächst die Gruppe der unter 18-Jährigen (EF 9/1). Trotz der Bevölkerungszunahme entschleunigt sich die starke Preisentwicklung von Immobilien in der Hansestadt, dafür steigen die Preise im ländlichen Raum stärker an (EF 7/2). Der Großteil des Wohneigentums gehört weiterhin Privateigentümer*innen. Der Anteil von mieternahen Unternehmen und der öffentlichen Hand nimmt jedoch zu Lasten von Immobilienunternehmen und Finanzinvestoren zu (EF 6/3).

 

Systemszenario 2b: Szenario für die Landnutzung im Landkreis Lüneburg

Im gesamten Landkreis gibt es eine konstante wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Lebensstandard, wobei der Fokus auf der Hansestadt und in den Umfeldgemeinden liegt. Durch eine starke Nachverdichtung in der Hansestadt zieht es allerdings ökonomisch besser gestellte in ländlichere Gemeinden (EF 15/ 3).

Dies wird unterstützt durch die Ausgestaltung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), das eine dezentrale Ausweisung von Baugebieten zur Stärkung der Grundzentren vorsieht. Dadurch werden die ländlichen Gemeinde als attraktive Wohnstandorte gestärkt. Es legt außerdem den Bau der A39 und weitere Vorranggebiete für Windenergie sowie für Natur und Erholung fest. Diese liegen schwerpunkmäßig im Osten und Süden des Landkreises. Es gibt einige Gebiete, die dem Rohstoffabbau vorbehalten sind. Für den Sandabbau liegen sie im Landkreis verteilt mit Schwerpunkt in Neetze, Bleckede und Soderstorf sowie für den Kiesabbau in Barendorf (EF 4/1).

In der Hansestadt wird nur in einem geringen Ausmaß neue Fläche für Wohnen und Gewerbe ausgewiesen. Lediglich auf Konversionsflächen entstehen Neubauten und es bilden sich vermehrt Wohnformen, die den Flächenbedarf pro Person reduzieren. Ehemalige Gewerbeflächen werden ebenso zu Wohnfläche umgenutzt, da sich die Wirtschaftsstruktur in der Hansestadt weg von großem produzierendem Gewerbe hin zu mehr Dienstleistung verändert. Auf Grund des angespannten Wohnungsmarktes in Hamburg wählen viele Berufspendler*innen Lüneburg als Wohnstandort. Dies wird zudem unterstützt durch die Mietpreisentwicklung in der Hansestadt (EF 3/3).  Durch einen stärkeren Markteingriff und die Zunahme von Wohneigentum von mieter*innennahen Unternehmen und der öffentlichen Hand erhöht sich die Verfügbarkeit von bezahlbaren Wohnraum (EF 17/3).

In den Gemeinden außerhalb der Hansestadt werden in geringer Anzahl neue Wohngebiete ausgewiesen. Dort entstehen teure Wohnhäuser für die ehemalige Stadtbevölkerung, die sich auf das Land zurückziehen und auf Grund von Telearbeit auch dort ihrer Berufstätigkeit nachgehen kann (EF 3/3).

Die Erreichbarkeit aller Landkreisgemeinden hat sich durch neue Infrastrukturprojekte, die alle Mobilitätsformen betreffen, deutlich verbessert. Die Verlängerung der A 39 wurde realisiert und stellt eine wichtige Verkehrsachse für den Personen-, aber auch für den Wirtschaftsverkehr von Hamburg dar. Die Brücke über die Elbe bei Neu Darchau verbindet Amt Neuhaus mit dem restlichen Landkreis und steigert die Beliebtheit der Gemeinde als Wohnort. Durch das Biosphärenreservat und als beliebtes Gebiet für Ausgleichsflächen, können in der Gemeinde allerdings kaum neuer Wohnraum ausgewiesen werden. Durch den Bau von Radfernverbindungen sowie die Verbesserung der innerörtlichen Radwege wird das Radverkehrsangebot attraktiviert. Die neuen Routen von Amelinghausen, Bleckede, Bardowick und Gellersen werden nur in geringem Ausmaß für den Berufsverkehr genutzt, sind aber beliebt bei Tourist*innen. Besonders wichtig für den Pendlerverkehr in die Metropolregion Hamburg ist das gut ausgebaute Bahnnetz. Durch einen guten Anschluss der primären Wohnstandorte Bleckede und Amelinghausen an die hoch frequentierte Zugverbindung nach Hamburg ist das Pendeln mit dem SPV eine attraktive Alternative zum MIV. Der ÖPNV wurde ebenfalls verbessert, wird aber nur von wenigen Bevölkerungsgruppen (wie Schulkindern; Senior*innen) genutzt. Ziele im Landkreis werden nach wie vor häufig mit dem MIV angesteuert. Für die alltägliche Mobilität zur Arbeitsstätte hat sich allerdings die Kombination von Auto und SPV etabliert und es gibt deutlich mehr P+R-Stationen mit einer hohen Kapazität. Diese sowie viele der öffentlichen Stellplätze in Ortszentren sind mit E-Ladesäulen ausgestattet, denn der Großteil der Pkw fährt elektrisch (EF 16/1).

Durch diese Entwicklung steigt die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Im Landkreis wird jedoch deutlich mehr Energie produziert, als von den Kommunen genutzt wird. Durch die Veränderung der politischen Rahmensetzungen zu Gunsten eines intensiven Ausbaus der Erneuerbaren wurde eine Ausbauoffensive gestartet. Vor allem flächenintensive Anlagen wie große Freiflächen-PV und große Windkraftanlagen nehmen zu. Einerseits findet ein umfangreiches Repowering bestehender Anlagen statt, andererseits entstehen durch eine geringere Abstandsregelung neue Anlagen in Siedlungsnähe und auch der Bau von Windkraftanlagen im Wald wird erleichtert. Photovoltaikmodule auf Häuserdächern werden zum Standard. In bestehende Biogasanlagen wurde reinvestiert und diese tragen weiterhin zur Energieerzeugung bei, wobei vermehrt Ausgangsstoffe mit einem geringem Flächenbedarf genutzt werden und Verfahren außerdem effizienter sind (EF 5/3).

Trotz der geringeren Neuausweisung von Baugebieten wird durch die Realisierung von Infrastrukturprojekten sowie dem flächenintensiven Ausbau der Erneuerbaren neue Fläche in Anspruch genommen. Es gelingt allerdings diese im Verglich zur heutigen jährlichen Flächeninanspruchnahme auf 40,5 ha im gesamten Landkreis zu reduzieren und somit das 30 ha-Ziel der Niedersächsischen Nachhaltigkeitsstrategie zu erreichen (EF 18/2).

Der Schutz von Natur- und Artenvielfalt steht nicht im Fokus. Zwar nimmt der Anteil von Schutzgebieten insgesamt zu, allerdings ist dies ein Resultat der Eingriffsregelung als Ausgleich für neu in Anspruch genommene Flächen. Der Nutzen als Erholungsfläche für die Bevölkerung und Tourist*innen steht im Vordergrund. Durch die hohe Wohndichte in der Hansestadt steigt der Nutzungsdruck auf die innerstädtischen und stadtnahen Grünflächen. Dies führt zu einer Abnahme der ökologischen Qualität und begünstigt die weitere Abnahme der lokalen Artenvielfalt. Zu dieser Entwicklung trägt darüber hinaus der intensive Ausbau der Erneuerbaren sowie der landwirtschaftliche Sektor bei (EF 2/1).

Landwirtschaftliche Praktiken werden zwar leicht umweltverträglicher. So wird etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert und Düngemittel sind genau auf den Nährstoffbedarf angepasst. Es entstehen jedoch kaum Blühstreifen und Einbuschungen und die Größe der Feldblöcke verändern sich nicht, was sich ebenfalls negativ auf die Artenvielfalt auswirkt (EF 19/1).

Teilweise nimmt die Bodenfruchtbarkeit zu, es gibt einen sehr punktuellen Humusaufbau und auch die Bodenverdichtung nimmt ab (EF 14/3).